Hofgeschichte

Der Körtgehof – ein Haus mit GESCHICHTE

Im Frühjahr 1898 wurde der Körtgehof in der Fürstenberger Feldflur errichtet. Damals gab es hier weit und breit noch kein einziges Haus, keinen Strom, keine öffentliche Wasserversorgung. Mit dem Körtgehof, der in einigen Flurkarten auch als „Haus Körtge“ zu finden ist, wurde die Region vor den Toren Fürstenbergs zum ersten Mal besiedelt. Weitere Höfe sollten erst viel später folgen.

Ursprünglich gehörten etwa 90 Morgen Land zum Hof dazu. Ein Morgen Land, das ist so viel Fläche, wie man mit dem Pferd an einem Vormittag pflügen kann. Daher kommt der Name für diese Maßeinheit, die umgerechnet etwa einer Fläche von 2.500 Quadratmetern entspricht. Früher gab es ja noch keine Landmaschinen so wie heute. Da wurde das Pferd stattdessen vor den Pflug gespannt.

Die Bauernfamilie, die hier ursprünglich mit Eltern, sieben Kindern und Onkel lebte (eine richtige Großfamilie, so wie man sie von früher kennt) und den Hof mit eigener Hände Arbeit Stein auf Stein aufgebaut hat, besaß Pferde, um die schwere Landarbeit auf den Feldern zu verrichten, sowie einige Milchkühe, Schweine und Federvieh. So lebte die Familie dort viele, viele Jahre. Die Kinder vom Körtgehof wurden erwachsen und bewohnten das große, alte Haus schließlich mit ihren eigenen Kindern. In der Küche stand (und steht heute wieder) die riesige, von Onkel Franz selbst gezimmerte Bank. Onkel Franz war Schreiner und seine alte Werkstatt ist auch heute noch vorhanden. Ja fast scheint es so, als habe er sie gerade eben erst verlassen.

Jedes Familienmitglied hatte seinen festen Platz auf dieser Bank. Auch gab es einen mit Holz beheizten Küchenherd („Oma’s Kochmaschine“) mit abnehmbaren Herdplatten, in die man ein drehbares Waffeleisen über dem Herdfeuer einhängen konnte. Am Fenster befand sich ein Spülstein und das Abwasser versickerte in einer Grube vor dem Haus. Das Wasser zum täglichen Leben wurde mit einem Eimer aus dem alten Ziehbrunnen hochgezogen. Erst in den 1970er-Jahren wurde der Körtgehof an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Dieses besondere Ereignis war für die Familie Grund genug, mit ihren Nachbarn ein großes Lichterfest zu feiern.

Aber es kamen die Jahre, da die Eltern nicht mehr die Kraft fanden, ihren Hof alleine zu bewirtschaften. So wurde er schließlich an einen ihrer Söhne übertragen, damit er ihn weiterführen sollte. Dieser Plan sollte jedoch nicht lange aufgehen, denn schon wenige Jahre später verkaufte der Sohn zunächst das Land und schließlich auch den Hof. Ein junges Paar erwarb nun das Anwesen, um sich den Traum vom Leben auf dem Lande zu verwirklichen. Viele Tiere zogen mit ihnen ein – Pferde, Hunde, Katzen, Vögel, Schafe und sogar ein Pfau. Es wurde mit der Renovierung des Wohnhauses begonnen – zusätzlich zu einer Holzzentralheizung wurde ein Ölkessel eingebaut und die alten, einfach verglasten Fenster ausgetauscht.

Anfang 2006 wurde der Hof erneut verkauft. Als wir ihn zum ersten Mal besichtigt haben, war tiefster Winter und wir haben uns durch Berge von Schnee gekämpft. Auch war uns bewusst, dass es noch jede Menge zu tun gab (und immer noch gibt), um dem Körtgehof den alten Glanz vergangener Tage wieder zurückzugeben. Es ist halt ein Hof mit langer Geschichte, wo es immer wieder Neues zu entdecken gibt, da die Vergangenheit ihre Spuren selbst in den kleinsten Dingen hinterlässt.

Gerne begeben wir uns gemeinsam mit Ihnen auf Spurensuche. Und wer weiß, vielleicht begegnet uns dabei ja auch Onkel Franz.